Methodik
Wie dieses Ergebnis zustande kommt.
Ein Selbsttest, der nicht offenlegt, wie er rechnet, ist ein Orakel. Diese Seite legt offen, was gemessen wird, wie daraus Zahlen werden — und wo die Grenzen liegen.
Herkunft der Aussagen
Grundlage ist der xpand Resilienz-Check 3.0 von Paul Ch. Donders. Es gibt ihn gedruckt in zwei Längen: als Kurz-Check mit 28 Aussagen und als ausführliche Fassung mit 70 Aussagen. Beide messen dieselben sieben Faktoren.
Diese Online-Fassung liegt bewusst dazwischen: 42 Aussagen, je 6 pro Faktor. Alle Formulierungen sind wörtlich aus der 70er-Fassung übernommen. Ausgewählt wurden je Faktor die Aussagen, die den Faktor inhaltlich am klarsten treffen.
Was wir weggelassen haben — und warum
Sechs Aussagen der Druckfassung sind nicht übernommen. Das ist eine bewusste Entscheidung und verändert die Vergleichbarkeit mit dem gedruckten Bogen leicht:
- Körpergewicht („±3 kg zum richtigen Gewicht“) — der Zusammenhang mit Resilienz ist schwach, die Frage für viele Menschen belastend.
- Umgang mit der eigenen Sexualität — für einen offen zugänglichen Online-Selbsttest unangemessen intim.
- „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ — eine Maxime, keine Selbstauskunft. Man kann ihr zustimmen, ohne dass daraus etwas über das eigene Verhalten folgt.
- „Ich habe immer mindestens eine Sache im Kopf, die mich beschäftigt.“ — misst Grübeln, wird in der Druckfassung aber positiv gewertet.
- „Ich gehe immer von dem bestmöglichen Szenario aus.“ — misst unrealistischen Optimismus und widerspricht damit dem Faktor, dem sie zugeordnet ist.
- „Ich lasse mich nicht so leicht von den Emotionen anderer aus der Fassung bringen.“ — inhaltlich emotionale Stabilität, in der Druckfassung aber der Disziplin zugeordnet.
Zusätzlich wurden nahezu wortgleiche Dubletten entfernt, etwa drei Varianten der Aussage „ich bin optimistisch“.
Die Reihenfolge ist verschränkt, nicht blockweise
Im gedruckten Bogen stehen die Aussagen in einer festen Liste, die Zuordnung zu Faktoren erfolgt erst bei der Auswertung. Online werden die Aussagen bewusst abwechselnd über alle sieben Faktoren ausgespielt: Nie folgen zwei Aussagen desselben Faktors aufeinander.
Der Grund ist ein bekannter Messfehler: Wer gerade fünfmal über Schlaf und Bewegung nachgedacht hat, antwortet auf die sechste Aussage zum Thema vorhersehbarer, als es seinem Verhalten entspricht. Die Reihenfolge ist fest und für alle gleich — nicht zufällig —, damit zwei Ergebnisse vergleichbar bleiben.
Wie gerechnet wird
Jede Aussage wird auf einer sechsstufigen Skala beantwortet (1 = trifft fast nie zu, 6 = trifft fast immer zu). Je Faktor wird der Mittelwert über seine 6 Aussagen gebildet und linear auf einen Index von 0 bis 100 umgerechnet:
Index = (Mittelwert − 1) × 20
Ein Mittelwert von 4 („trifft oft zu“) ergibt also 60, ein Mittelwert von 5 („trifft sehr häufig zu“) ergibt 80. Der Gesamtwert ist der Mittelwert über alle 42 Aussagen. Da jeder Faktor gleich viele Aussagen hat, zählt jeder Faktor gleich viel. Es gibt keine Gewichtung und keine umgekehrt gepolten Aussagen.
Was die Bänder bedeuten
Die Einordnungen sind aus der Skala abgeleitet, nicht aus einer Normstichprobe. Sie beschreiben also Verhaltenshäufigkeiten, keine Perzentile. Ein Wert von 60 heißt: Diese Verhaltensweisen treffen im Mittel „oft“ auf Sie zu. Er heißt ausdrücklich nicht, dass Sie besser als 60 Prozent aller Menschen sind.
- 0–39Deutliches PotenzialDieser Faktor trägt Sie im Alltag noch selten. Hier liegt der größte Hebel.
- 40–59Im AufbauDas Verhalten ist da, aber noch nicht verlässlich. Es braucht Struktur, nicht mehr Einsicht.
- 60–75TragfähigEine solide Basis, die im Normalbetrieb trägt – unter hoher Last aber schnell an Grenzen kommt.
- 76–89StarkEine verlässliche Ressource. Dieser Faktor stützt Sie auch dann, wenn anderes wegbricht.
- 90–100Sehr starkEine ausgeprägte Stärke – eine Kraftquelle, aus der auch andere Faktoren gespeist werden können.
Hinweise zum Antwortmuster
Die Auswertung prüft vier Muster, die die Aussagekraft einschränken, und benennt sie offen im Ergebnis: durchgängig gleiche Antworten, sehr geringe Streuung, fast ausschließliche Nutzung der Skalenenden, und eine Bearbeitungszeit von weniger als zweieinhalb Sekunden pro Aussage. Diese Hinweise werten das Ergebnis nicht ab — sie sagen, wie belastbar es ist.
Die sieben Faktoren
Die Faktorstruktur stammt unverändert aus dem Resilienz-Check 3.0. Sie speist sich nach Donders aus mehreren Quellen der Resilienzforschung, unter anderem Aaron Antonovsky, Micheline Rampe, Gordon MacDonald und Thomas Saum-Aldehoff.
- 1. Versöhnte Vergangenheit und emotionale Stabilität6 Aussagen · Kapitel 3 – Versöhnung mit der Vergangenheit und emotionale Stabilität (S. 35)
- 2. Realistischer Optimismus6 Aussagen · Kapitel 4 – Realistischer Optimismus (S. 46)
- 3. Problemlösungskompetenz6 Aussagen · Kapitel 5 – Problemlösungskompetenz (S. 61)
- 4. Arbeit mit und Entwicklung von intrinsischen Fähigkeiten6 Aussagen · Kapitel 6 – Mit Ihren einzigartigen Fähigkeiten arbeiten (S. 77)
- 5. Disziplin und ein gesunder Lebensstil6 Aussagen · Kapitel 7 – Disziplin und ein gesunder Lebensstil (S. 87)
- 6. Selbstvertrauen und Leidenschaft6 Aussagen · Kapitel 8 – Selbstbewusstsein und Leidenschaft (S. 109)
- 7. Beziehungskompetenz6 Aussagen · Kapitel 9 – Gesunde Beziehungen (S. 120)
Grenzen
Dies ist ein strukturiertes Selbstbild-Instrument, kein psychometrisch normiertes Testverfahren. Es misst, wie Sie sich selbst einschätzen — nicht, wie resilient Sie „wirklich“ sind. Für die hier verwendete 42-Item-Fassung liegen keine veröffentlichten Kennwerte zu Reliabilität oder Validität vor, und es gibt keine Normstichprobe.
Der Scan ist kein diagnostisches Verfahren. Er kann kein Burnout und keine Depression feststellen oder ausschließen und ersetzt weder Beratung noch ärztliche oder therapeutische Abklärung. Wenn es Ihnen anhaltend schlecht geht, sprechen Sie mit einem Menschen darüber, der Ihnen helfen kann.
Sinnvoll ist der Scan als Einstieg in ein Gespräch und als Anstoß, eine konkrete Gewohnheit zu verändern. Genau dafür ist er gebaut.
Quellen
Paul Ch. Donders: Resilienz. Gesünder leben, sinnvoll leisten. xpand edition, Augsburg 2017. ISBN 978-3-947088-00-3.
xpand Resilienz-Check 3.0 (Fragebogen, 70 Aussagen) und Resilienz-Kurz-Check 3.0 (28 Aussagen), xpand international.
Die Übungen im Ergebnisteil verweisen zusätzlich auf die jeweils einschlägige Forschungsliteratur. Wo eine Übung auf einem veröffentlichten Verfahren beruht, ist das bei der Übung genannt.